Pressemeldung vom 03.02.2026, 18 Uhr
Update zum weiteren Vorgehen bezüglich der Razzia vom 31.01.2026
Seit Dienstagvormittag, dem 03.02.2026, liegen dem Betreiber des City Clubs und seiner rechtlichen Vertretung die polizeilichen Akten zum Großeinsatz vom 31.01.2026 vor.
Aus Sicht der Anwältin, Martina Sulzberger, dürften die zugrunde liegenden Ermittlungen und Ermittlungsergebnisse nicht ausreichen, um den Durchsuchungsbeschluss und die damit verbundene Razzia zu rechtfertigen. „Wir werden gegen den Durchsuchungsbeschluss nun rechtlich vorgehen“, so Sulzberger.
Bei der Razzia am Samstagabend, den 31.01.2026, hatten über 200 Einsatzkräfte das Haus in der Konrad-Adenauer-Allee 9 während des laufenden Betriebs gestürmt. Betroffen von dem Einsatz waren die Räumlichkeiten des City Clubs Augsburg – formal betrieben von der BlauSky GmbH – aber auch Räumlichkeiten von Privatpersonen und dem theter ensemble e.V..
Rund 150 Gäste, die sich zu diesem Zeitpunkt im Haus befanden, mussten teils über mehrere Stunden an Ort und Stelle verbleiben ohne dass ihnen eine Begründung dafür genannt wurde. Erst nach eingehenden Kontrollen aller Anwesenden – einschleißlich Leibesvisitationen – durften diese das abgesperrte Gelände nach und nach verlassen.
Das Team des City Clubs möchte sich hiermit auch nochmals direkt an alle Betroffenen der polizeilichen Maßnahmen wenden: Solltet ihr eure Erfahrungen in Form eines Gedächtnisprotokolls teilen können und wollen, schickt uns dieses bitte in PDF-Form an awareness@cityclubcafe.de . Eure subjektiven Erfahrungen können uns wahnsinnig dabei helfen die Situation besser einzuordnen. Zudem hat sich unser juristisches Team dazu bereit erklärt, zu überprüfen, ob bei einzelnen Personen Grundlage für ein weiteres rechtliches Vorgehen – soweit gewünscht – besteht.
Pressemeldung vom 2.2.2026
Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz im City Club Augsburg
Am Samstag, den 31.01.2026, kam es in den Räumlichkeiten des City Clubs sowie dem gesamten Haus in der Konrad-Adenauer-Allee 9 zu einem großangelegten Polizeieinsatz mit mehr als 200 Einsatzkräften. Den Ablauf und Umfang der Aktion verurteilen wir als Kollektiv und Betreiber*innen des City Clubs aufs Schärfste.
Gegen 20:40 wurde das Haus von mehreren Seiten von Einsatzkräften gestürmt. Gäste sowie Mitarbeitende wurden daraufhin über mehrere Stunden hinweg festgehalten, ohne dass ihnen hierfür eine Begründung genannt wurde. Ein Durchsuchungsbeschluss wurde den Mitarbeitenden an den Bars auch nach mehrmaligem Nachfragen zu keinem Zeitpunkt an dem Abend vorgelegt. Der Betreiber und eingetragene Geschäftsführer der blausky GmbH, welche den Club betreibt, erhielt erst am Ende des fünfstündigen Einsatzes einen Durchsuchungsbeschluss von der Staatsanwaltschaft.
Der Maßnahme lag der Vorwurf der Begehung von Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln zu Grunde.
Sebastian Demmer, der Geschäftsführer, sagt hierzu: "Ich habe mit dem Konsum, Besitz oder der Weitergabe von Drogen nicht zu tun. Auch in unseren Räumlichkeiten wird der Konsum von illegalen Betäubungsmitteln nicht geduldet."
Als vollkommen unverhältnismäßig und besorgniserregend wurden von Seiten des Clubs die Bedingungen eingestuft, unter denen sich einige der anwesenden Personen wiederfanden: Mehrere Gäste mussten sich über längere Zeit im Außenbereich aufhalten und durften diesen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht verlassen. Schutzmaßnahmen wie Rettungsdecken wurden nicht bereitgestellt. Darüber hinaus berichten Betroffene von schmerzhaften körperlichen Zwangsmaßnahmen und entwürdigenden Situationen. Eine psychologische Betreuung wurde trotz erkennbarer Belastung einzelner Personen nicht angeboten. Sämtliche im Haus anwesende Personen wurden einzeln kontrolliert und mussten sich bis auf die Unterwäsche und teils darüber hinaus Leibesvisitationen unterziehen, bevor sie das Gelände verlassen durften. Auch hierfür wurde den Betroffenen kein Grund genannt. Bei der Durchsuchung des Hauses wurden mehrere Räume verwüstet. Trotz der von Anfang an erklärten Kooperationsbereitschaft von Seiten des Teams und dem Angebot Schlüssel für alle Türen und Schlösser zu bekommen, wurde sich zu allen Stockwerken und Räumen gewaltsam Zutritt verschafft, teils mit Rammböcken.
Besonders hervorzuheben ist, dass auch Stockwerke und Räume von Privatpersonen und Vereinen wie dem theter e.V. durchsucht wurden, welche nicht vom vorliegenden Durchsuchungsbeschluss erfasst waren und auch nicht der blausky GmbH zuzuordnen sind.
Demmer schildert den Ablauf wie folgt: "Ich habe mich direkt zu Beginn gegenüber einem Beamten als Geschäftsführer zu erkennen gegeben und angeboten, sämtliche Schlüssel zur Verfügung zu stellen. Trotz dieses Angebots wurden alle Räume gewaltsam geöffnet, wodurch ein riesiger, vermeidbarer Sachschaden entstanden ist."
Dieses Vorgehen wirft aus unserer Sicht erhebliche Fragen zur Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des Einsatzes auf. Neben den psychischen Belastungen für Gäste und Mitarbeitende wird der Einsatz wohl auch gravierende wirtschaftliche Folgen haben. Am betroffenen Abend entstand durch den frühen Abbruch ein enormer Umsatzausfall. Am darauffolgenden Sonntag musste das Café geschlossen bleiben. Mitarbeitende sind unmittelbar vom Ausfall ihrer Arbeitszeit betroffen. Wie sich diese Situation langfristig auf den Betrieb auswirken wird, ist derzeit ungewiss. Als subkulturelle Institution, die – wie
viele andere Kulturstätten – unter den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ohnehin schon ständig ums Überleben kämpfen muss, ist ein derart willkürlicher und gewaltvoller Einsatz eine außerordentliche, zusätzliche Belastung.
Wir möchten weiterhin Stellung beziehen zu den benannten "Beweismitteln" und "Festnahmen" im Pressebericht der Polizei: Es handelt sich bei den festgenommenen Personen weder um Mitarbeiter*innen, noch wurden Betäubungsmittel in den Räumlichkeiten des Clubs sichergestellt. Eine derart schwammige Darstellung der Tatbestände bestärkt ein Narrativ von Seiten der Polizei, den Einsatz zu rechtfertigen, ohne den tatsächlichen Umständen gerecht zu werden. Bei den sichergestellten Datenträgern handelt es sich unter anderem auch um unsere Kassensysteme und Kartenzahlungsgeräte sowie die privaten Handys derjenigen Kolleg*innen, die an diesem Abend Schicht hatten.
Als City Club Kollektiv möchten wir aber auch auf die positiven Aspekte des Abends hinweisen, soweit davon die Rede sein kann. Menschen, die draußen vor Ort waren, nahmen jene, die aus den Kontrollen rauskamen, in Empfang, es wurde sich umeinander gekümmert und Menschen, die unter Schock standen, soweit wie möglich – trotz mangelnder psychischer Betreuung von Seiten der Einsatzkräfte – von den Umstehenden aufgefangen. Eine spontane Kundgebung in Solidarität mit dem CC und linken Subkulturorten im Allgemeinen fand während des Einsatzes friedlich nahe des Hauses mit mehreren Dutzend Teilnehmenden statt. Mit Songs und Rufen in Richtung der Menschen, die im Haus festgehalten wurden, wurde so spontan Unterstützung signalisiert. Auch ein Crowdfunding wurde noch in der Nacht durch Lisa McQueen, Freundin des City Clubs und Vorständin des Schöne Felder e.V., ins Leben gerufen und von mehreren hundert Menschen unterstützt.
"So schlimm, schockierend und unverständlich diese Aktion gerade für uns ist, berührt es uns auch zutiefst, wie viel Solidarität und Unterstützung es in Augsburg und darüber hinaus für uns und diesen Ort gibt. Wir hätten nie gedacht, dass sich so schnell noch in der Nacht so viele Menschen für uns einsetzen, spenden, Beiträge auf Social Media teilen,… Das bestärkt uns auch darin, nicht aufzugeben, weiterzukämpfen für den City Club und die Subkultur in Augsburg. Jede Stadt braucht Räume, in denen sich Menschen vernetzen können, sich aufgehoben fühlen, austauschen und Kultur erleben dürfen – vor allem im Kontext immer stärker werdender ultra-konservativer und reaktionärer Tendenzen. Und am Ende zeigen Aktion wie diese auch: Es wird immer Menschen geben, die für genau diese Räume kämpfen!" – City Club / Svenja Tietze, Mitarbeiterin
Kontaktperson für Rückfragen: Svenja Tietze (Mitarbeiterin), presse@cityclubcafe.de


Konrad-adenauer-Allee 9
86150 augsburg
CAFÉ mi – so ab 18 Uhr
CLUB mi ab 23.00 Uhr
fr sa ab 23.30 Uhr